Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat im letzten November die protestantische Friedensethik im Spannungsfeld des christlichen Ideals der Gewaltfreiheit und der komplexen Herausforderungen der aktuellen Weltlage in einer Friedensdenkschrift neu ausgerichtet.
Schutz vor Gewalt, Förderung von Freiheit, Abbau von Ungleichheiten und Friedensfördernder Umgang werden als die vier Grundpfeiler des Gerechten Friedens betrachtet, allerdings nicht gleichrangig. Schutz vor Gewalt – das ist wesentliche Neuerung – erhält eine zentrale Bedeutung, weil ohne die Sicherheit vor physischer Gewalt die anderen Dimensionen des Friedens nicht verwirklicht werden können. Eine veränderte Position der Kirche, die für Soldaten selbstverständlich scheint, jedoch gerade in Friedensgruppen und pazifistischen Kreisen auf erhebliche Kritik stößt.
- Vorrang des Schutzes vor Gewalt versus Primat der Gewaltfreiheit
- Überwindung von Gewalt versus Abkehr vom absoluten Pazifismus
- Atomwaffen: ethisch verwerflich versus Besitz politisch notwendig
- Wehrdienst als Dienst am Nächsten versus Recht auf Kriegsdienstverweigerung
Kriegstauglich oder friedenstauglich – nur ein Ringen um Begriffe? Der Friedensdiskurs erhält neue Impulse.
Zur Person:
Michael Strunk erlebte den friedensethischen Diskurs mehr als ein Berufsleben lang stets aus beiden Perspektiven, der eines Berufsoffiziers und der eines engagierten Christen in der evangelischen Kirche.
Michael Strunk trat 1978 als Panzergrenadier in die Bundeswehr ein, studierte Pädagogik, absolvierte die deutsche und die schwedische Generalstabsausbildung, war unter anderem Adjutant des Beauftragten für den Abzug der russischen Streitkräfte aus Deutschland, Kommandeur eines Panzergrenadierbataillons, Tutor im Generalstabslehrgang, Sprecher des Generalinspekteurs, Fachgebietsleiter Management sowie Lehrgruppenleiter im Basislehrgang Stabsoffiziere an der FüAkBw. Verschiedene Einsätze führten ihn auf den Balkan und nach Afghanistan. Er beendete seinen aktiven Dienst vor gut einem Jahr und betätigt sich heute als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.
Michael Strunk erlebte Berufswahl und Einstiegsjahre in der Zeit lebhaften Streits um die NATO-Nachrüstung sowohl in der Bundeswehr als auch in der Nordelbischen Kirche, in der er sich als Jugendgruppenleiter engagierte. Heute ist er Landessynodaler und Mitglied der Kirchenleitung der Nordkirche. Er wurde in die Friedenswerkstatt der Evangelischen Kirche Deutschlands berufen, um als Soldat an deren Konsultationsprozess zur Friedensdenkschrift mitzuwirken.
Christ und Soldat empfand er nie als Widerspruch, ein Spannungsfeld war es jedoch stets.
Veranstaltungsdetails
Wir setzen hierzu einen Teams-Call auf. Den Link senden wir angemeldeten Mitgliedern dieses Netzwerks spätestens am Morgen der Veranstaltung zu. Diese Kaminabende laufen rein virtuell, ohne eine Live-Version.